Sabine Levinger

In den Gemälden entfalten rhythmisch ineinander verschränkte Strukturen ihr Kräftespiel. Daraus entsteht Tektonik, die Bilder sind kraftvoll. Sie sind gebaut und haben zugleich etwas kaleidoskopartiges, das Neben- und Ineinander wird zum Gefüge und verspricht Ordnung, wie die Töne eines Orchesters. Es sind Bilder, die ihre Dynamik aus gegeneinander wirkenden Energien beziehen: opulent und feierlich, fließend und statisch, dunkel und lichtdurchflutet. Durch die gedämpften und zugleich leuchtenden Farben, mag man beispielsweise das Ende des Tags oder den Herbst assoziieren.
Der Aspekt mittelalterlicher Glasfenster und der darin verwirklichten Lichtmetaphysik bleibt für die Künstlerin darin angedeutet, die Binnenstruktur wird durch eigenwillige Formerfindung gefestigt. Andere Gemälde erinnern an das Schwebende, die Dynamik und Opulenz des Barock und stellen einen Ausgangspunkt für neue Lösungen dar. Der menschliche Körper in seinem Verhältnis zur Welt, fragil und in Auflösung begriffen, verletzt, bedroht, ist ein weiterer Aspekt der Gemälde von Sabine Levinger – der Körper als Ort von Welterfahrung, von Bedrohung, Schmerz, Wollust, von Begegnung und Fremdsein, Nähe und Ferne. Das In-der-Welt-Sein als Verschränkung von Innen und Außen, wechselseitige Durchdringung und Auflösung bis hin zum Amorphen, sind Hinweise auf Befindlichkeiten und fordern den Betrachter auf, den dramatischen Kompositionen Sabine Levingers nachzuspüren.